7 Wochen Sahnetorte
gemeinsam bis ostern 2026
Ostern heißt wenig anderes als Gutsein mit sich und anderen in dem Wissen, dass wir genau so sind: REICHLICH GUT!
Ostern ist das Fest der Lebensfreude, voller Wärme, Licht, innerem und äußeren Leuchten. Ostern ist Sahnetorte! Fühlt ihr euch danach?
7 Wochen sind es bis dahin und wir begleiten euch. Mit Nachdenken und Austausch, allein und gemeinsam, hier digital und an den Sonntagen in unseren Gottesdiensten. Alle Infos, die ihr braucht und unsere Sahnetörtchen findet ihr – Stück für Stück – unten auf dieser Seite.
Die Idee:
Jede Woche samstags erhaltet Ihr ein „Sahnetörtchen“ – etwas zum Kauen, Genießen und Stärken. Es kann eine Frage sein, über die Ihr nachdenken sollt, oder ein kleiner Text, der Euch inspirieren soll. Manchmal ist es auch ein Fastenrezept geben, das Ihr gerne nachkochen dürft.
Schreibt mir gern, was Ihr dazu denkt und fühlt.
Törtchen No. 1
Zwiebelsuppe
Unser erstes Törtchen ist heiß, mit Käse überbacken und voller Vitamin C. Ein traditionelles „Arme-Leute-Essen“, das aber überhaupt nicht karg schmeckt, sondern genauso reichhaltig, wie es ist: Zwiebelsuppe. Sie stärkt und ist für die Passionszeit genau richtig!
Habt ihr auch ein besonderes Essen, das Ihr vor allem in den Fastenwochen zubereitet? – Schreibt es uns.
Und schaut gerne rein, wie wir unser Törtchen No. 1 für Euch probegekocht haben. Törtchen No. 1 – Der Pfarrer kocht Zwiebelsuppe
Währenddessen reibst du auf einer Küchenreibe 120 g Bergkäse fein und schneidest 4 bis 8 etwa 1,5 cm dicke Baguettescheiben und toastest sie leicht. Sobald die Zwiebelhalbringe eine schöne Farbe haben, mit 1 EL Mehl bestäuben und kurz unter Rühren anschwitzen. Dann löschst du sie mit 250 ml Weißwein ab, gibst 1 EL Apfelessig dazu und nach Belieben 1 Spritzer Sherry. Gut umrühren. Nun 1 Liter Rinderfond dazu gießen, 4 Zweige Thymian und 1 Lorbeerblatt dazugeben und aufkochen lassen.
Die Suppe auf kleiner Stufe bei reduzierter Hitze ca. 15 Minuten mit Deckel köcheln lassen. Im Anschluss entfernst du das Lorbeerblatt und schmeckst die Suppe nach Belieben mit Salz und schwarzem Pfeffer aus der Mühle ab. Nun verteilst du die Zwiebelsuppe auf die 4 ofenfesten Suppentassen, legst je nach Passung 1 oder 2 Baguettescheiben darauf und bestreust sie gleichmäßig mit dem geriebenen Bergkäse.
Nun im vorgeheizten Backofen im oberen Drittel gratinieren, bis der Käse goldgelb zerlaufen ist. Fertig – guten Appetit!
das rezept
Du benötigst 4 ofenfeste Suppentassen mit ca. 580 ml Fassungsvermögen und Henkel.
1 Liter Gemüsefond
4-8 Baguettescheiben am besten altbacken
500 g Zwiebeln normal oder rot
250 ml trockener Weißwein
250 g Tilsiter
50 g Butter
2 Knoblauchzehen
1 Lorbeerblatt
1 EL Mehl Type 405
1 EL Apfelessig
1/2 TL Thymian getrocknet/gerebelt alternativ
4 Zweige frischer Thymian
Salz + Schwarzen Pfeffer aus der Mühle
Den Ofen heizt Du rechtzeitig auf 220°C Ober- / Unterhitze vor (Umluft ist nicht geeignet). Die 500 g Zwiebeln schälst du und schneidest sie in beliebig feine Halbringe (ich bevorzuge 2 bis 3 mm). Die 2 Knoblauchzehen schälen und in feine Würfel schneiden.
Dann zerlässt Du 50 g Butter in einem Topf, fügst die Zwiebel-Halbringe dazu und lässt sie unter gelegentlichem Rühren bei mittlerer Hitze langsam goldbraun rösten. Hier ist etwas Geduld gefragt, damit die Zwiebeln schön langsam karamellisieren, denn das ergibt einen wundervollen Geschmack!
Törtchen No. 2
Verletzlichkeit und stärke
Und das Schweigen der Männer.
Kennt ihr Jim Carrey? Den Komiker? Er hat operieren lassen? Das Gesicht! Alle rätseln zumindest, ist es ein Doppelgänger oder war es ein sehr ehrgeiziger Schönheitschirurg? Da saß er nun, so wie er heute aussieht, dieses Megatalent, vor ein paar Wochen bei der César-Verleihung in Paris und erhielt den Ehrenpreis mit den Worten: Sie machen Verletzlichkeit sichtbar, ohne sie jemals zu verurteilen. Sie erinnern uns daran, dass Lächerlichkeit kein Fehler und Zerbrechlichkeit keine Schwäche ist.
(Camille Cottin)
Es ist fast so, als hätte er eine Art Mahnmahl geschaffen für eine Zeit, in der Perfektion fast zur Perversion wird und Makellosigkeit nicht nur ein Trend ist. Sie ist die Zielmarke, an der wir alle schon gescheitert sind, bevor die Tech-Bros die KI ins Rennen geworfen haben – und jetzt stehen wir nicht nur hässlich da, sondern auch dumm. Na toll!
Kurz zu Jesus: Folgt mir nach!, hat er gesagt. Und zwar jetzt sofort. Lass doch die Toten ihre Toten begraben, hat er gesagt, und wer zurücksieht, wird das Neue nicht erleben. Sinngemäß.
Die Epstein-Files sind nicht nur ein Skandal. Das greift viel zu kurz. Eine ganze Generation einflussreicher Männer über Kontinente hinweg haben sich an diesem System, an Kindern und an Frauen vergangen. Das ist kein Skandal. Das ist eine Schande. Eine Schande für uns Männer. Genauso wie unser Schweigen. Auch das muss endlich aufhören. Es wird Zeit, dass wir aufstehen und uns gegen Männergewalt zur Wehr setzen. Das geht nur, indem wir die Kultur ändern und auf alteingeschliffene Privilegien verzichten. Das gilt auch für unsere Evangelische Kirche im Rheinland. Auch hier haben Männer haben geschwiegen, haben zugedeckt und schweigen jetzt. Es macht keinen Sinn, Kompromisse einzugehen, wenn es darum geht, eine neue Kultur der Verletzlichkeit einzuüben: Sie bedeutet Widerstand gegen Unrecht, aus tiefer Hingabe an das Leben.
Kriege sind Männergewalt, Missbrauch ist Männergewalt. Weswegen sagen wir Männer nicht einfach Stopp!? Die Schutzkonzepte zur Prävention sexualisierter Gewalt sind wegen uns Männern geschrieben. Ich will das nicht. Männer, steht auf gegen Männergewalt. Das bedeutet es auch, wenn Jesus sagt: Folgt mir nach ohne langes Abschiednehmen.
Ich will, dass wir eine neue Kultur der Verletzlichkeit einüben und sie bedeutet eben Nein! zu sagen gegen Männergewalt. Erst recht als Mann!
Pfarrer Christoph Rollbühler
Törtchen No. 3
einer von uns
Collien Fernandes hat Strafanzeige gegen Christian Ulmen erstattet. Der Spiegel berichtet seit ein paar Tagen und alle anderen auch. In den Berichterstattungen wird immer auf die Unschuldsvermutung als oberstes Rechtsprinzip verwiesen. Wichtig, klar! Vor Gericht.
Mich erschüttert auch ohne Richterspruch, was ich höre und lese. Von einer anderen Seite. Es muss ja Männer gegeben haben – und es waren viele –, die sich die Fotos und Anrufe haben gefallen lassen. Sehr sogar.
Keiner der Männer, die kontaktiert wurden und konsumiert haben, haben Alarm geschlagen, STOPP gerufen, sich beraten lassen oder Hilfe gesucht.
Wieder dieses Männerschweigen, das zum Himmel schreit.
„Ja, der ist ja super krank!“, höre ich in Diskussionen um die Ecke. Mal ganz kurz nicht übersehen, bitte: Das war ihr Ehemann! Einer der ihr nächsten Menschen. Mal wieder. Ihr wisst das sicherlich: 80 Prozent aller Sexualdelikte geschehen mit sozialen Nahbereich (Familie, Verwandtschaft, Bekanntenkreis, Nachbarschaft oder Institutionen). 80 Prozent. Das liest sich sachlich, heißt aber: Das größte Risiko für Frauen sind die Menschen, die sie lieben und mit denen sie die meiste Zeit verbringen.
Damit ist das Hauptproblem nicht ein Problem alter, weißer, reicher Männer auf irgendwelchen Inseln. Ulmen ist einer von uns. Wenn wir ihn pathologisieren, pathologisieren wir alle Männer. Und das zurecht.
Nur über eine ehrliche Diagnostik unserer Maskulinität und der sozialen Zuschreibungen, die damit verbunden sind, kommen wir einer Veränderungen überhaupt einen Schritt näher.
“Patriachat abschaffen” ist eine Initiative des Frauenberatungszentrum Köln e.V., in unmittelbarer Nähe der Christuskirche.
Dann halt so!
#männergegenmännergewalt
#inunsererkirche
#patriachtabschaffen
Törtchen No. 4
Wütender werden!
Seit einer Woche ist der Dreck jetzt öffentlich. (Kurzer Reflex: „Es gilt die Unschuldsvermutung!“) In unseren Städten wird protestiert, die Frauen sind auf den Straßen. Laut. Zu Recht!
Und was tun wir Männer? – Uns die Schweinerei nochmal genauer ansehen: Die Suchanfragen bei Google – „collien fernandes nackt“, und „collien fernandes nacktfotos“ beispielsweise – sind um 130% angestiegen. Jungs… im Ernst jetzt??
Ich verstehe es einfach nicht, strukturelle Ursachen hin oder her: Was fällt denn so schwer, einfach mal die Taste Mitgefühl zu drücken?
Egal, ob wir die Frau kennen, der das passiert ist, ob sie eine Fremde ist oder die eigene Tochter: Wir Männer sollten wütend sein, alle! Eine verdammt klare, hörbare Meinung dazu haben! Schon, weil immer mehr Männergewalt immer mehr kaputt macht.
Wir können uns nicht auf der Unschuldsvermutung ausruhen. Wir brauchen jetzt die Emotionen, die weiterreichen als ins nächste Fußballstadion. Wir brauchen sie von uns Männern, die „hinfühlen“. nicht wegsehen. Ich habe über Ulmen schon Tränen gelacht. Wieso jetzt nicht drüber weinen?
Wie ernüchternd – aber spätestens jetzt ist klar (ohne Unschuldsvermutung), dass sexualisierte Gewalt auch da passiert, wo wir Menschen eigentlich mit etwas Gutem verbinden. Mit Liebe, mit Vertrauenswürdigkeit. Aber wem sage ich das… auch Kirche kennt sich hier aus und sollte schon darum viel lauter hörbar sein. Das müssen wir ändern und werden wir!
#männergegenmännergewalt
#inunsererkirche
#patriachatabschaffen
Törtchen No. 5
Ein Leben lang gesucht
„Es gibt keine Ruhe, nur dieses tiefe, drängende Ge-
fühl, dass ich irgendwohin gehöre, wo ich noch nicht gewesen bin!“
Kae Tempest ist eine Transperson. Kae fasst in seinen
Liedern und Gedichten dieses Gefühl von Altes-verloren,
Neues-maximal-erspähend so berührend zusammen, dass die
Zeit kurz anzuhalten scheint. Eben, weil Kae etwas
trifft, was du nur spürst, wenn du anhältst.
„Es gibt keine Ruhe, nur dieses tiefe, drängende Gefühl, dass ich irgendwohin gehöre, wo ich noch nicht gewesen bin!“
Verblüffend gut und dafür liebe ich Worte.
Natürlich ist die eine Frage, wo wir hingehören und wo kann wir zuhause sein können, eine Frage, die uns begleitet. Ein Leben lang. So zumindest meine Erfahrung. Die Kindheit bietet ein anderes Zuhause, als das, was für dich später wichtig ist, wenn du begriffen hast, dass damals eine Lücke geblieben ist, die du seither zu füllen suchst. Ob Jesus diese Fragen und Gefühle kennt? Wir legen sie ihm in die Seele – einfach so, weil wir es können. Hier ein Teil seines Einzugs nach Jerusalem: 1 Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, bei Betfage und Betanien am Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger 2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und alsbald wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden… Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten. 9 Und die vorangingen und die nachfolgten, schrieen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! 1 Und er ging hinein nach Jerusalem in den Tempel…
Jesus hatte wohl Heimweh, als er sich entschloss, mit seinen Jüngerinnen und Jüngern Richtung Jerusalem aufzubrechen. Drei Jahre Wanderschaft waren genug. Dörfer, Menschen, Staub, nie ankommen, immer weiterziehen müssen. „Und wenn euch jemand nicht aufnehmen und eure Rede nicht hören will, so geht heraus aus diesem Hause oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen.“ Das sagte er seinen Leuten und sie zogen weiter, ohne anzukommen. Aber die Sehnsucht danach ist geblieben.
Die Sehnsucht danach bleibt. Anzukommen, ohne wieder aufbrechen zu müssen. Den Kopf auf ein Kissen zu legen und bleiben zu dürfen. Die Körper entspannen zu lassen, weil alles gut ist und alles sicher liegt. Ja, natürlich, wir sind ja alle Profimenschen und wissen, dass das kein Zustand ist, der eingefroren werden sollte, der eher vorbeiweht und dann wieder ersehnt werden kann. Und gerade deshalb stellen sich diese Fragen. Gerne nachts oder wenn der Wind senkrecht im Gesicht steht: Bin ich am richtigen Ort? Fühlt sich das nach der Heimat an, die ich meine nennen darf? Wo gehöre ich hin?
„Es gibt keine Ruhe, nur dieses tiefe, drängende Gefühl, dass ich irgendwohin gehöre, wo ich noch nicht gewesen bin!“
Jesus entscheidet sich dazu, durch das Tor zu gehen, dahin, wo er seine Heimat vermutet, wenn er Vater sagt und Gott meint. Er entscheidet sich in den Tempel Jerusalems zu gehen und vielleicht sogar ins Allerallerheiligste. Die Menschenmenge weiß, welchen Weg er nimmt. „Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten.“
Es ist seine Sehnsucht, die auch wir haben. Erst wenn wir angekommen sind, können wir mit einem ersten tiefen Seufzen unser Atmen fließen lassen.
Wo ist Euer Ort, an dem Ihr in prächtigen Momenten genau dieses Gefühl habt? – Angekommen! Daheim! Als Kind war es das kleine Licht der Küche meines Großvaters, das immer brannte, damit ich den Weg nach Hause finde. Heute sind es meine 8qm Schlafzimmer. Nach langen Tagen mit müden Gliedern. Da, wo ich der bin, der ich bin. Ein Mensch mit vielen Gefühlen, Bedürfnissen, Verletzungen und allem dazwischen.
Ich hab nachgeschaut, das Allerheiligste des Jerusalemer Tempel hatte auch nur 40qm. Es reicht wenig, weil es nicht um den Ort geht, sondern darum, ob du da dich berühren lässt. Wir sind zuhause an genau dem Ort, an dem wir uns berühren lassen. Von der Wahrheit, unserer Vergangenheit, dem Kribbeln unserer Erinnerungen, aber auch in den Beinen, weil die Visionen von einem neuen und anderen Leben uns kaum mehr ruhig bleiben lassen. Da, wo wir echte Gefühle zulassen, ohne uns zu verstellen, da sind wir zuhause. Das sind die heiligen Orte, an denen andere sagen, da wäre Gott. Ich tue das auch. „Es gibt keine Ruhe, nur dieses tiefe, drängende Gefühl, dass ich irgendwohin gehöre, wo ich noch nicht gewesen bin!“
Und stellt Euch vor, wir fühlen so tief und so weit, dass wir uns uns alle begegnen, dann sind wir unser Zuhause. Angekommen.
Und noch ein Gedichtausschnitt von Kae Tempest, für euch übersetzt.
hold your own
Halte deinen eigenen Weg
Und wenn die Zeit Leben auseinanderreißt
Halte deinen eigenen Weg
Wenn alles flüssig ist
Kann nichts mit Sicherheit gewusst werden
Halte deinen eigenen Weg
Halte es, bis du fühlst
So dunkel und dicht und nass wie die Erde
So weit und hell und süß wie die Luft
Wenn alles, was bleibt, das Wissen ist
Dass du fühlst, was du fühlst
Halte deinen eigenen Weg.
Die Zeit ist ein Übergriff, die Liebe ist eine Mission
Halte deinen eigenen Weg
Halte deine Liebsten
Halte ihre Hände
Halte ihr Gesicht in deinen Handflächen wie ein Gebet.
Angekommen!
Amen.